Kinderbarometer 2006 gibt Aufschluss darüber, was Hessens Kinder denken
Wiesbaden, Bensheim, 3. Juli 2007.- Wie fair streiten hessische Kinder? Mit wem lernen sie für die Schule? Wofür geben sie ihr Taschengeld aus? Antworten auf diese Fragen gibt das „Kinderbarometer Hessen 2006“, das in diesen Tagen von der „hessenstiftung – familie hat zukunft“ herausgegeben wurde. Befragt wurden 1.900 hessische Schülerinnen und Schüler im Alter von neun bis 14 Jahren an 89 hessischen Schulen. Schwerpunkte der Befragung waren die Bereiche Lernen und Lernmotivation, Lesen, Konfliktlösung, Verkehrsmittelwahl sowie das Thema Taschengeld. Eine erste Befragung von hessischen Kindern war im Jahr 2004 von der Hessenstiftung und dem Institut „Prokids“ durchgeführt worden.
Lernverhalten und Schule
Genauer unter die Lupe genommen wurde das Lernverhalten der Kinder. Erfreulich ist, dass 54 Prozent (2005: 47 Prozent) der befragten Kinder mit einem sehr guten oder guten Gefühl in die Schule gehen. Weitere 20 Prozent (2005: 22 Prozent) gaben an, mit einem „eher guten“ Gefühl in die Schule zu gehen. Nur sechs Prozent (gegenüber 2005 gleich bleibend) hätten ein schlechtes oder sehr schlechtes Gefühl. Mädchen gehen dabei tendenziell lieber in die Schule als Jungen. Ihre Lernmotivation schöpfen die Kinder im Wesentlichen aus drei Faktoren: Sie lernen, weil sie wissen, dass „das für mich persönlich wichtig ist“, weil „ich den Unterrichtsstoff richtig verstehen will“ und weil „ich will, dass die Lehrer eine gute Meinung von mir haben“. Nur ein kleiner Teil der Schüler gibt an, nicht zu wissen, warum „ich in der Schule lernen soll“.
Unterstützung beim Lernen erhalten die Schülerinnen und Schüler vor allem von der Mutter. Sie wird wie im Vorjahr von der Hälfte aller Kinder angegeben. Der Vater sowie die Freunde und Geschwister spielen demgegenüber eine weniger wichtige Rolle. Hauptschüler lernen im Vergleich mit anderen Kindern besonders selten mit ihren Eltern. Kinder mit Migrationshintergrund lernen deutlich häufiger als deutsche Kinder mit den Geschwistern und Freunden, dafür seltener mit den Eltern.
Die vorliegende Befragung hatte viele erfreuliche Ergebnisse im Blick auf die Lernmotivation, aber auch solche, die zum Nachdenken auffordern. Positiv ist etwa, dass eine überwältigende Mehrheit der befragten Schülerinnen und Schüler (80 Prozent) lernt, weil sie das Lernen für sich als wichtig einschätzt. Diese Kinder fühlen sich auch in der Schule am wohlsten. Kinder in der Schule und zu Hause zum Lernen zu motivieren, ist also die beste Voraussetzung für den Lernerfolg. Dass die Lust und Freude am Lesen mit zunehmendem Alter erheblich nachlässt, hält Kultusministerin Wolff für ein Ergebnis, das nachdenklich stimmt. Vor allem Bücher fallen gegenüber Zeitschriften zurück. „Dies fordert uns heraus, mit unseren vielfältigen Initiativen zur Leseförderung nicht nachzulassen. Denn das Lesen ist eine Schlüsselkompetenz, die entscheidend ist für den Lernerfolg in allen Schulfächern“, sagte die Ministerin.
Streit und Konfliktlösung
Erstmals wurde in der aktuellen Auflage des „Kinderbarometer Hessen“ nach dem Thema Streit und Konfliktlösung gefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Streit im Leben der Kinder ein relativ seltenes Ereignis ist. Lediglich mit ihren Geschwistern streiten sich Kinder häufiger, für Freundschaften ist er in der Regel keine Belastung. Bei Mädchen führt Streit im Freundeskreis schneller zu Zerwürfnissen und hält auch etwas länger an. Jungen streiten sich häufiger mit Lehrern, Jugendlichen oder älteren Nachbarn. Mit dem Alter der Kinder nimmt der Streit mit Eltern, Jugendlichen und Lehrern zu, mit Freunden nimmt er ab. Je älter die Kinder werden, desto seltener werden Streitigkeiten durch körperliche Angriffe ausgelöst und desto häufiger führen Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten zu Streit.
Als Reaktion auf Streit wehren sich die meisten Kinder mit Worten. Ein Viertel der Kinder zieht es vor, sich zurückzuziehen und nur wenige holen Hilfe oder lösen ihre Streitigkeiten mit Prügeln. In der Schule werden Streits in der Regel im Dialog zwischen Lehrern und Schülern oder über Streitschlichter gelöst. Jungen empfinden den Ausgang der Streits häufiger ungerecht als Mädchen. Das Wohlbefinden in der Schule und in der Klassengemeinschaft hängt eng damit zusammen, dass Streitigkeiten durch klar geregelte Ansprechpartner im Dialog gerecht gelöst werden.
Zudem zeigt die vorliegende Umfrage, dass sich der überwiegende Teil der Kinder bei Streitigkeiten mit ihren Eltern auf eine schnelle Konfliktlösung verlassen kann. Das wirkt sich auch auf das Wohlbefinden der Kinder aus: Dort, wo ein Streit nicht zu langfristigen Zerwürfnissen führt, ist auch das Wohlbefinden der Kinder ausgeprägter. Vor allem der Mutter kommt die Funktion einer Ansprechpartnerin für Probleme zu – was zeigt, dass das Vertrauen der Kinder in die Eltern intakt ist. Darüber hinaus können sich die Kinder auch noch auf ein weiteres soziales Netz verlassen: den Freundeskreis. Auch hier erhalten sie in hohem Maße Unterstützung bei schulischen und familiären Problemen. Dies gilt in etwas geringerem Maße für Kinder mit Migrationshintergrund, die seltener als deutsche Kinder im Freundeskreis Rat und Unterstützung suchen.
Lebenssituation der Kinder
46 Prozent aller befragten Kinder leben mit einem Geschwister zusammen. Ein Viertel der Kinder hat zwei Geschwister. Mehr als drei Geschwister haben neun Prozent der befragten Kinder, zwölf Prozent sind Einzelkinder. Die Zahl der Kinder mit getrennt lebenden Eltern hat sich gegenüber den Befragungen in den Jahren 2004 (18 Prozent) und 2005 (20 Prozent) leicht erhöht und lag bei 21 Prozent. Die Zahl der allein erziehenden Mütter stieg von sechs (2004) über acht (2005) auf 13 Prozent. Seit Beginn der Studie ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund von 28% auf 35% stetig gewachsen, allerdings ist mehr als die Hälfte dieser Kinder bereits in Deutschland geboren, dieser Trend steigt an.
Taschengeld
Im Durchschnitt erhalten hessische Schüler ein monatliches Taschengeld in Höhe von 18,66 Euro. Bei Jungen und bei Kindern mit Migrationshintergrund liegt diese Summe etwas höher. Jedes zweite Kind bessert sich sein Taschengeld durch Nebenjobs wie Babysitten oder Rasenmähen auf.
Das „Kinderbarometer Hessen 2006“ kostet 9,80 Euro und ist im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-936705-95-9).
Weitere Informationen finden Sie hier:
Kinderbarometer Hessen
hessenstiftung - familie hat zukunft
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